Unser Gehirn erzählt sich selbst eine Geschichte:-)

Ich bin beim Storytelling Kongress der National Storytelling Network (NSA) in Kansas City. In einem der Vorträge erfahre ich, warum sich unser Gehirn Geschichten selbst erzählt und wir nichts dagegen tun können.

Fast nichts…

Ich habe mir auf dem Kongress unter anderem den Vortrag YOUR BRAIN ON STORY von Kendall Haven angehört.

Kendall Haven ist Story Consultant, Autor und Master Storyteller und ja, eigentlich auch DER Experte wenn es um die Verknüpfung von Neurowissenschaft und Story Architektur geht. 2012 hat er an einer Storytelling-Studie des Department of Defense Narrative Networks Research Programm zusammen mit Neuro-Wissenschaftlern teilgenommen. Über diese Studie berichtet Kendall Haven auszugsweise.

Der zentrale Satz aus seinem Vortrag lautet:

‚You turn incoming information into STORYBEFORE it reaches your conscious mind with your neural story net‘.

Im Kern bedeutet dies, dass unser Gehirn bzw. das neural story net, neue Informationen unaufgefordert dahingehend interpretiert, so dass sie unser bereits bestehendes Wissen und Haltungen entsprechend unterstützen. Ich fasse das für mich mal so zusammen; unser Gehirn fügt automatisch ein Erzählmuster zusammen, erzählt sich also (im übertragenen Sinne und mit einem Smiley versehen) selbst eine Geschichte.

Anders ausgedrückt: Unser Gehirn kramt in seiner Schublade nach einer bestehenden Geschichte, die zu den neuen Informationen passt, also bereits abrufbar ist. Wir leiten bereits selber einen Zusammenhang her und zwar noch bevor wir alle Daten bewusst wahrgenommen haben. Bevor die Informationen zu Ende erzählt sind, haben wir bereits ein Bild. Ich schreibe hier bewusst nicht bevor die Geschichte zu Ende erzählt ist, sondern es geht um Informationen, die nicht in eine Story eingewoben sind. Denn dann bauen wir uns schnell unsere eigene Story.

Diese Erkenntnis wird besonders dann relevant, wenn Sie Vorträge vor einer neuen Zuhörerschaft halten. Daher ist es wichtig Ihre Zielgruppe zu kennen, deren Vorwissen einzuschätzen und Ihre Botschaft danach ausrichten.

Wenn Sie innerhalb Ihrer Familie eine Story erzählen, dann reichen oft nur ein paar wenige Informationen, ein winziges Detail und Ihre Botschaft ist klar. Und das funktioniert! Weil Sie Ihre Familie kennen und Ihre Familie bereits Vorwissen zu dem Thema hat.

Bei einer neuen Zuhörerschaft aber gewinnt die Struktur Ihrer sinnmachenden Story enorm an Bedeutung. Unser Gehirn hat ja eh` so eine Art Türsteher und schiebt irrelevante Informationen beiseite. Was also spielt sich in unserem neural story net ab, sobald wir Informationen erhalten, die nicht unmittelbar Sinn ergeben?

Kendall Haven erklärt, dass im neural story net über so eine Art ich nenne es mal Sinn-Knopf (Kendall Haven nennt das make-sense-mandat) Informationen Sinn zugewiesen wird. Anders ausgedrückt, die Zuhörer füllen vermeintliche Lücken aus, treffen eigene Annahmen, nutzen ihr vorhandenes Wissen um Zusammenhänge zu kreieren, ignorieren Teile Ihrer Präsentation, suchen die Bedeutung und den Sinn, deuten Ihre Informationen anders oder gar falsch, usw.

Sein Fazit: Die Story, die Ihre Zuhörer hören und erleben, ist also nicht immer und zwingend die Story, die Sie erzählen.

Mein Fazit aus der Zuhörer Perspektive:  Je weniger Energie wir also darauf verwenden müssen, zu entschlüsseln was uns da gerade erzählt wird, und je mehr Sinn das Erzählte macht, desto eher hören wir dem Erzähler bis zu Ende zu.

Damit endet mein Ausflug in die Neuro-Wissenschaft. Das ist auch nicht meine bevorzugte Kernkompetenz, hach, was ein schönes Wortmonster:-)

Struktur – Relevanz – Botschaft – Emotionen. Das sind nach meiner Erfahrung elementare Elemente, die eine gute Story ausmachen.

Gehen Sie bei Ihrer Story immer von der Botschaft aus, die Sie vermitteln wollen und überlegen sich, was an Inhalt ist für Ihre Zuhörer relevant? Damit die Ihre Story hören und sich nicht selbst eine erzählen müssen (Smiley).

‘Great Leaders inspire with Stories’

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